Sehr geehrter Herr Missionsleiter,
Meine Mission in der Winzergenossenschaft in Auggen war ein voller Erfolg. Die Mission lief unter dem Namen „ Exkursion einer NWT-Klasse“. Durch meine vielseitigen Verbindungen gelang es mir mit dem Leitenden NWT-Lehrer Kontakt aufzunehmen. Das Geld an ihn habe ich bereits überwiesen. Um keinen Verdacht zu schöpfen fuhr ich nicht mit meinem Dienstwagen, sondern schloss mich der Gruppe bereits in der Schule an. So fuhren wir mit dem Schulbus in das Winzerdörfchen Auggen. Durch meine Recherchen war mir bekannt dass die Auggener Winzergenossenschaft mit einer Rebfläche von ca. 100 000 Hektar einer der größten Genossenschaften im Markgräflerland ist. Desweiteren recherchierte ich die Unterschiede zwischen einer Genossenschaft und des eigenständigen Winzers. Ein Winzer muss sich, wenn er seinen Wein verkaufen will, entscheiden, ob er dies selber machen möchte oder dies der Winzergenossenschaft überlassen möchte. Entscheidet er sich für die Genossenschaft, so liefert er seine Trauben im Herbst ab, und muss sich nicht um Verkauf und Herstellung des Weines kümmern. Wie der Name Genossenschaft schon sagt besteht also eine Genossenschaft aus einem Zusammenschluss von vielen Winzern.
Nachdem wir eine kurze Essenspause eingelegt hatten, wurden wir dem Kellermeister vorgestellt. Mein geschulter Blick sagte mir gleich, das dieser Mann „sauber“ war, von ihm wusste ich, würde keine Gefahr ausgehen. Unsere Besichtigung starteten wir an der Annahmestelle der Genossenschaft. Durch eine breite Gasse können hier im Herbst die Winzer mit ihren Traktoren fahren. Über eine Krahnvorrichtung wird die Bütte vom Hänger gehoben und die Trauben werden in einen großen Trichter geschüttet. Mit einer Förderschnecke geht es für die Trauben ein Stockwerk tiefer. In diesem Stockwerk werden die Trauben gewogen. Die Bezahlung eines Winzers lässt sich mit der eines Geheimagenten vergleichen. Auf das Ergebnis kommt es an. Das Missionsziel des Winzers besteht darin möglichst viele Trauben in guter Qualität zu erzeugen. Auf die Lizenz zum töten verzichten manche Winzer freiwillig. Nämlich diejenigen, die biologischen Weinbau betreiben. (siehe auch Demeter und Bioweine) Die Qualität des Weines wird anhand des Mostgewichts festgemacht. Bevor das Mostgewicht im dritten Stock festgestellt wird, werden die Trauben zuerst im Zweiten entbeert. Dies geschieht Mithilfe einer Abbeermaschine. Die Trauben werden dort in eine Art Wäscheschleuder befördert. Diese Schleuder hat Löcher, wodurch die Trauben fallen, die Stiele jedoch hängen bleiben.
Die Trauben werden weiter transportiert, die Stielreste (Trester) werden zurück aufs Feld gebracht.
Nun im dritten Stock angelangt wird das Mostgewicht in Grad Öchsle angegeben. Gemessen wird dabei der Zuckergehalt des Weines. Ein hoher Zuckergehalt hat einen hohen Alkoholwert im Wein zu Folge. Je höher das Mostgewicht, desto höher das Gehalt des Winzers pro Kilo Trauben. Um die Öchsle selber messen zu können, benutzt der Winzer im Herbst ein Refraktometer. Alle Daten werden an einen Computer weitergeleitet der die Ergebnisse auswertet und speichert.
Nachdem die Weintrauben auch diese Prozedur über sich ergehen lassen haben, werden sie über Rohrleitungen die drei Stockwerke wieder hochgepumpt und noch etwas weiter. Rein Wirtschaftlich gesehen wäre es besser wenn die Trauben zu Beginn statt runter, hoch befördert werden würden. So könnte man sich das Gesetz der Schwerkraft zu nutzen machen und müsste die Trauben nicht wieder hochpumpen. Bis hierhin haben rote und weiße Trauben den gleichen Weg gehabt. Nach dem Öchslemessen werden die weißen Trauben weiter zur Kelter geschickt (zum Auspressen), die Roten behalten ihre Schale noch eine Weile.
Vor lauter Begeisterung vergaß ich meine Mission fast, unsicher blickte ich mich um, konnte jedoch nichts verdächtiges feststellen. Also folgte ich den Anderen, die sich bereits auf den Weg zu den Tanks mit den Rotweinbeeren gemacht hatten.
Wenn man mal eine rote Weinbeere in der Hand gehabt hatte und diese in den Fingern zerquetscht hat, wird man festgestellt haben das die Farbe des Saftes sich nicht von der einer weißen Traube unterscheidet. Die Farbe der Rotweinbeere steckt in der Schale. Um die Farbe in den Saft zu bekommen gibt es zwei Möglichkeiten. Die traditionelle Art ist es, die Maische (entbeerte Trauben) in große Bottiche oder Fässer zu lagern, wo sie mit der Beerenhaut gären können. Durch diese Gärung entsteht Alkohol, Kohlenstoffdioxid und Wärme. Der Alkohol bewirkt dass die Zellen der Beerenhaut platzen und der rote Farbstoff austritt. Zu Beachten ist das die Temperatur nicht zu hoch wird. Ab 35 Grad Celsius fängt die Hefe an abzusterben. Desweiteren muss die Maische regelmäßig durchmischt werden, da sonst die Beerenhaut oben schwimmt und der Saft nicht mehr mit ihr in Berührung kommt. Die zweite und modernere Möglichkeit wäre es, die Maische zu erhitzen. Hierbei werden die Zellen durch die Hitze geöffnet und der rote Farbstoff herausgelöst. Der Erste Vorgang ergibt eher einen schweren Wein. (Tendenz auch zur höheren Qualität), der Zweite ruft einen eher frühreif trinkbaren Wein hervor. Für die Winzergenossenschaft ist der Mix aus beiden Vorgängen die optimale Lösung.
Danach geht es für die rote Maische auch zur Kelter (Traubenpresse). Die Winzergenossenschaft Auggen hat zwei davon. Das Prinzip dieser Maschinen ist eigentlich ganz einfach. Die in der Abbeermaschine bereits angepressten Weinbeeren, werden hier in die Kelter eingepumpt. In der Kelter befinden sich große Stoffartige Tücher. Diese Tücher werden immer enger zusammengepresst. Der Druck mit dem diese Tücher zusammengepresst werden lag früher zwischen 7-8 Bar. Heute weiß man dass es für die Trauben schonender ist sie mit weniger Druck zu keltern (pressen).
Daher verwendet man nur um die 2 Bar. Der aus den Trauben gewonnenen Saft wird unter der Kelter in einem Auffangbecken gewonnen und in den Keller in die Tanks gepumpt. Diesen Keller besichtigten wir als nächstes.
Als das Tor zum Keller aufging, zuckte ich zusammen. Unbewusst taste ich nach meiner Dienstwaffe. Riesige Edelstahl Tanks in langen Reihen. Nicht nur die Größe, sondern auch die Anzahl beeindruckte mich. Außer zwei Lehrlingen war niemand zu sehen. Ein Fass hatte eine Füllmenge bis zu 80 000 Litern. Durch die moderne Technik haben es die Winzer heute um einiges leichter als ihre Vorfahren. So haben die meisten Tanks eine Temperatursonde. Sollten während der Gärung die Temperatur zu hoch werden, kann der Kellermeister kaltes Wasser an der Außenwand herunterlaufen lassen. “Eine zu hohe Temperatur würde zu viel Kohlenstoffdioxid verursachen. Durch diese Große Menge Kohlenstoffdioxid würden die Aromastoffe des Weines mit „raus gesprudelt“ werden”, so der Kellermeister. Eine zweite Möglichkeit den Wein weiterzuverarbeiten wäre, den Wein statt in Edelstahltanks, in Holzfässern gären zu lassen. „gereift im Barikfass“ kann man öfters auf teuren Weinflaschen lesen. Barikfässer sind kleine Holzfässer, die aus eichen Holz gebaut sind. Dieses Holz beeinflusst den Geschmack des Weines stark. Deshalb können Barikfässer auch nur ca. 5 Jahre/Mal benutzt werden, danach gibt das Holz keinen Geschmack mehr ab. Die Weinreifung im Barikfass ist deshalb sehr kostenspielig. Die Atmosphäre in der dem
Holzfasskeller, der sich neben dem anderen Keller befindet, ist sehr prickelnd. Wenn man einen Augenblick den Lärm um sich herum ausblendet, kann man sich richtig in die frühere Zeit zurückversetzen. Wo der Opa mit dem Gaul den Wagen heimbringt während die Oma bereits aufgetischt hat. Doch lange schafft man es nicht den Lärm auszublenden. Zu viel Lärm macht die Abfüllmaschine im Nebengebäude.
Neben dem Keller befindet sich eine weitere große Halle, in der abgefüllt wird. Dies passiert vollautomatisch. Die Flaschen werden auf ein Förderband gesetzt, gereinigt, dann gefüllt und mit einem Deckel (Drehverschluss) verschlossen, anschließend etikettiert. Und Schlussendlich direkt in einen Karton verpackt. Mit einem Kapelstabler werden die Kartons ins Lager gebracht. Dort werden sie gelagert, bis zum Verkauf.
Hier Endet unsere Besichtigung.
Herr Missionsleiter, ich kann ihnen versichern dass dieser Laden sauber ist. Ich werde mich in mein Versteck begeben und auf meinen nächsten Auftrag warten. So long.
Bond 007
(Die Umrahmende Geschichte der Exkursion in die Winzergenossenschaft Auggen ist selbstverständlich frei erfunden und entspricht nicht der Realität, die Fotos habe ich von raphaelstr. Danke an dieser Stelle!)

Gut gemacht Agent Vinitor. Besonders der Anfang deines Berichts gefällt mir. Ich hab auch schon den nächsten Auftrag für dich: Finde alles über Dr. Andy heraus. Ich möchte alle Informationen zu seinem neuen Projekt.
Amadeus27