Portfolio- das wahre Gesicht!?

9 02 2010

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70% der Schüler machen ihr Portfolio erst in der Woche vor Abgabe. Da läuft nichts mit Reflexion der Woche. Das einzige was läuft sind die Schweißtropfen der Schüler am Abend vor dem besagten Abgabetermin.

Es kann sein, das ich mich mit diesen Aussagen völlig täusche. Ich möchte keinem NWT-Schüler etwas unterstellen, jedoch lehrt mich die Erfahrung das Beschriebene.

Meine Motivationsgründe über das Thema zu schreiben? Ich möchte nachfolgenden NWT-Klassen Portfolio schreiben ersparen. Ich bin mir relativ sicher dies nicht zu erreichen, vielleicht schaffe ich es aber wenigstens einen kleinen Teil der Lehrer, die das Lesen zum Überdenken  des “Portfolios” zu bringen.
Portfolio. Ich habe viel Schüler befragt. Kein Einziger “mag” das schreiben von Wochenrückblicken. Die Befragten finden das überflüssig. Ebenso wie ich. Ich finde Reflexion eines Themas keinesfalls überflüssig, jedoch nicht in schriftlicher Form, wie es von uns abverlangt wird. Ich denke jede Schüler ist sich nach der NWT-Stunde im Klaren darüber ob die Stunde gut oder schlecht verlaufen ist. Mann kann nicht jede Woche so reflektieren das es einen anschaulichen Text gibt. Klar, in jeder Stunde läuft was gut, und was weniger gut, doch das aufzuschreiben? Das ist lästig. Ich selber weiß es. Und meinen Lehrer interessiert das? Ja für wen schreib ich denn dann das auf? Es kostet ziemlich Überwindung sich am Wochenende noch einmal hinzusetzen und zu überlegen, was war gut an der Woche NWT und was nicht. Ich finde um das beurteilen zu können reichen auch meist nicht die 4stunden der Woche aus. Viel sinnvoller wäre es über einen längeren Zeitraum zu reflexieren. Es kann sein das man nicht mehr alles frisch im Kopf hat, trotzdem denke ich, das jeder in der Lage ist, zu beurteilen wie das aktuelle Projekt läuft, bzw. was dazu geführt hat das man nicht im Soll ist. In der Realität war es nämlich eher so, das wir in der Woche vor Abgabe Wochenrückblicke „erfunden“ haben. Nur um keine schlechte Note zu bekommen. Manchmal ging das soweit das wir noch positive Sachen dazu erfunden haben, damit der Lehrer eine besseren Eindruck der Gruppe bekommt. Unsere Projektnoten waren trotzdem meist (oder deshalb?) zwischen 1 und 2. Ich schreibe hier so offen, weil einmal das mein letztes Jahr NWT ist;) und auf der anderen Seite um euch Lehrer umzustimmen.

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Eine weitere Frage wäre es, ob dieser Ordner in dem die Wochenrückblicke gesammelt haben, überhaupt Portfolio Bennen sollten. Denn in diesem Ordner sind keine besonders guten Arbeiten von mir. Bzw. der Ordner wird jedes Jahr durch einen Neuen ausgetauscht. Dokumente die ich verfasst habe und mir wichtig erscheinen, habe ich als Datei auf meinem Computer.

Abschließend möchte ich gerne Zusammenfassen; Ich finde den Grundgedanken das Getane zu reflexieren sehr gut, doch ich denke nicht in diesem Rahmen, in dem es bei uns praktiziert wurde.

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8 Antworten

9 02 2010
retemirabile

Danke für die klare und offene Rückmeldung! Wir haben bereits früher Deine Ideen unter den NwT-Lehrern besprochen und werden das sicherlich auch mit Deinen oben geäußerten Gedanken tun.

Es freut mich, dass Du schonungslos auch das Schummeln ansprichst, denn wenn die Reflexion so läuft, bringt sie natürlich gar nichts.

Die Idee, einen längeren Zeitraum zu *reflektieren*, finde ich bedenkenswert. Möglicherweise hilft ein gewisser Abstand dabei, den Projektverlauf klarer zu sehen.

Dass das Schreiben des Wochenrückblicks Überwindung kostet, sehe ich ein – das allein scheint mir aber kein Grund zu sein, es gleich sein zu lassen.

Wenn die Situation so ist, wie Du sie beschreibst, sollten wir uns allerdings wirklich einmal intensiver darüber unterhalten, wie wir das Ziel (Schüler reflektieren ihre Arbeit im Projekt) besser erreichen können.

9 02 2010
rip

Zuerst einmal: Respekt für die offene Meinungsäußerung!
Dann muss ich aber gleich zugeben, dass ich zum Fachlichen hier gar nichts sagen kann, denn ich weiß nicht einmal, wofür “NwT” steht.
Wenn ich es richtig verstanden habe, ist es so, dass jeder Schüler solche Wochenrückblicke zu schreiben hat – jede Woche. Die Frage ist: Wozu dienen die Wochenrückblicke?
a) Brauchen die Lehrer das, um eine Note bilden zu können?
b) Soll auf diese Weise der Unterricht und sein Inhalt dokumentiert werden?
c) Sollen die Schüler beweisen, dass sie mitbekommen und verstanden haben, worum es geht/ging?

Falls b zutrifft, dann könnte man diese Aufgabe doch sicher reihum durch jeweils einen Schüler erledigen lassen – so kommt der einzelne wesentlich seltener an die Reihe.
Falls es um c geht, dann wäre es vielleicht möglich, Informationen zu einem Sachgebiet zu sammeln (evtl. durch eigene Nachforschungen auch zu erweitern) und quasi ein “Dossier” anzulegen.
Falls es nur um a geht, dann kann man vermutlich auch bei meinen Vorschlägen zu b und c etwas zum Benoten finden – oder gleich eine Alternative suchen ;-)
Viel Erfolg beim Reflektieren!

10 02 2010
vinitor

Danke für die Rückmeldung!
NWT steht für Naturwissenschaften und Technik.
Die Wochenrückblicke sollen den Inhalt der vergangenen Wochen schildern, jedoch vorallem das Getane reflektieren. Ich habe im Nachfolgenden eine Anleitung die wir Schüler von Seiten der Lehrer bekommen;

Was ist ein „Portfolio“ und wie soll es aussehen?

Das „Portfolio“ ist eine Mappe, in der Du Deinen persönlichen Lern- und Arbeitsfortschritt während der ganzen Unterrichtseinheit dokumentierst. Anhand des Portfolios kann man nachvollziehen, wie die Arbeit am Projekt voran ging, welche Gedanken Du Dir gemacht hast, welche Ideen Du hattest, welche Schwierigkeiten es gab, wie sie überwunden wurden etc.
Wenn Du Beiträge für Dein Portfolio schreibst, kannst Du Dir als Adressaten (d.h. als „Zielperson“) jemanden vorstellen, dem Du möglichst genau erklären möchtest, worum es bei dem vorliegenden Projekt geht, was Du während des Projekts gemacht hast und warum.
Das Portfolio ist ein wichtiger Teil Deiner persönlichen Unterrichtsnote in NwT und ist unabhängig von der Projektmappe, die Ihr als Gruppe abgebt.

Beispiel : „Wochenrückblick 14.04. — 18.04.2008“
Diese Woche haben wir zunächst die Planung des Projekts besprochen und festgelegt, wer welche Aufgaben übernimmt. Dabei gab es einige Diskussionen, weil niemand den Teil C übernehmen wollte. Wir haben uns darüber gestritten und jeder hat versucht, eine „gute“ Aufgabe zu bekommen. Es war nicht sehr clever, das so anzugehen – durch den Streit haben wir fast eine halbe Stunde verloren, so dass wir am Montag praktisch gar nichts erledigt haben. Wir sollten das nächste Mal besser versuchen, früher einen Kompromiss zu finden und die weniger „schönen“ Aufgaben gerecht zu verteilen. Schließlich haben wir eine Aufteilung gefunden: ich bin für den Bau eines der Messgeräte zuständig (Anemometer).
Dazu habe ich zunächst im Internet recherchiert. Bei Wikipedia habe ich heraus gefunden, welche Methoden es gibt, die Windgeschwindigkeit zu messen. Dort bin ich auf ein „Schalenkreuzanemometer“ gestoßen und habe mir überlegt, wie man das bauen könnte.
Auf einer anderen Website habe ich einen Bauplan dazu entdeckt und gleich angefangen zu bauen. Dann habe ich gemerkt, dass dieser Bauplan sehr aufwändig ist und ich u.a. eine elektronische Schaltung dafür bräuchte. Daher habe ich die Idee verworfen und noch mal neu gesucht. Dabei habe ich einen einfacheren Bauplan gefunden, der sich gut umsetzen lässt. Durch den ersten Versuch, den ich dann abgebrochen habe, habe ich zwei Schulstunden Zeit verloren. Ich hätte den Plan gleich genauer anschauen sollen – dann hätte ich schnell gemerkt, dass er zu kompliziert für mich ist.
Insgesamt bin ich diese Woche ein gutes Stück mit meiner Aufgabe voran gekommen, aber nicht so weit, wie ich hätte kommen können. Nächste Woche muss ich etwas mehr überlegen, bevor ich an die Arbeit gehe, damit wir den Zeitplan einhalten können.

Betrachtet man einmal das Beispiel des Wochenrückblickes wie oben, so wird geschildert wie die Gruppe sich erst streitet dann zu einer Lösung kommt. Der Bericht ist sehr ausführlich, es ist für uns Schüler schwierig immer ein “Problem” zu finden. Und immer schreiben ” die Woche ist gut verlaufen” ist meinerseits bedenklich. Ich denke der Lehrer würde sich fragen ob diese Schüler perfekt sind, oder einfach ihre Wochenrückblicke erfinden…. Was ich damit sagen möchte ist, das es schwierig ist genügend Material in einer Woche zu finden, um sinvoll zu reflektieren.

9 02 2010
Fontanefan

Kontra Portfolios:
Auch Lehrer haben was gegen Portfolios, sind unglücklich über die neue Erfindung. (Aufwand, den Schülern beizubringen, was damit beabsichtigt ist. Frustration, dass sie meist dich Chance nicht wahrnehmen.)
Ich war Lehrer und brauchte nie Portfolios anlegen zu lassen.

Pro:
Grundschüler können am Schluss eines Tages ein Lernprotokoll verfassen.
Wenn ich mir klarmache, warum ich nichts gelernt habe, kann ich versuchen, die nächste ähnliche Situation anders zu gestalten.
Manches wird erst klar, wenn man versucht, es zu formulieren.

Als Blogschreiber schreibst du immer wieder mal ein Portfolio.
Dein Artikel ist ein hervorragender Beitrag zum Thema: Weshalb mir Portfolios nichts bringen und weshalb man sie anders gestalten sollte.

PS
Es gibt entsetzliche formalisierte Portfolios, es gibt offenere. Ich habe keine Ahnung, wie genau das aussehen soll, was ihr da verfassen sollt. Aber ich wollte doch kurz rückmelden.

9 02 2010
Nergiz Kern

Hallo

Ich bin Andrea’s Twitter-Nachricht gefolgt und habe deinen Beitrag mit Interesse gelesen — einmal als ehemalige Schülerin (ja, waren wir doch alle mal) und einmal als Lehrerin.

Meine erste Ausbildung war als Fotografin und wir mussten eine Mappe mit unseren Arbeiten erstellen — also auch eine Art Porfolio. Das Problem war ähnlich wie bei euch, nur dass wir alle am Ende eines Halbjahres geschwitzt haben, um alles schnell zu erledigen. Natürlich hat dabei die Qualität der Arbeit oft gelitten und somit auch das Gelernte.

Ich denke das Verhalten der Schüler ist relativ normal. Verhindern kann man das in eurem Fall vielleicht, wenn der Lehrer in einer der Unterrichtsstuden (vielleicht in der letzten der Woche), den Schülern fünf oder zehn Minuten am Ende für diese Schreibarbeit reserviert.

Wenn es außerhalb des Unterrichts stattfindet und das eigentliche Problem das Schreiben und nicht das Reflektien an sich ist, würde ich es vielleicht mit einer Audio- oder Video- (Webcam-) aufnahme versuchen. Also, sprechen statt schreiben. Ich könnte mir auch vorstellen, dass es Sinn macht das Geschriebene oder Gesprochene auf einem Klassenblog zu haben, so dass es sich jeder anhören kann, aber das könnte natürlich auch Hemmungen bei manchen hervorrufen.

Ich hoffe, mein Kommentar macht Sinn (ist schon spät hier in der Türkei) und ist nützlich. Auf alle Fälle finde ich es gut, dass du so offen darüber schreibst. Wie soll sich auch sonst etwas ändern? :)

Nergiz

10 02 2010
vinitor

Das mit der Audio oder Video -Aufnahme finde ich eine super Idee, und werde sie aufjedenfall weitergeben!

9 02 2010
Christian Füller

Wow, offene und kritische Ruückmeldung. Könntest Journalist werden ;-) Zum Thema: Schlag dem Lehrer doch mal ein Best of-Portfolio vor. Dass da Arbeiten rein kommen, die dir wirklich wichtig sind und die dich stolz machen. Dass das zwanghaft kritische schriftliche Berichten nervt- klingt überzeugend. Best und alles Gute fürs Abi, Christian Füller

10 02 2010
retemirabile

Ich melde mich noch mal zu Wort. Zur Klarstellung: ich bin einer der
Lehrer von vinitor und die Gestaltung des “Auftrages” zum Portfolios
(siehe oben) ist hauptsächlich auf meinem Mist gewachsen.
Über den Begriff „Portfolio“ kann man tatsächlich streiten, denn in
der bei uns praktizierten Form ist es eher ein “Lerntagebuch”

@rip
Der angestrebte Zweck ist zum einen, in dem sehr offenen Projektunterricht, den wir in NwT machen, die Schüler dazu zu bringen, ihre wöchentliche Arbeit zu dokumentieren und zu reflektieren. Wir sahen das Problem, dass es in einer Unterrichtsform, die in weiten Teilen selbst von den Schülern gestaltet und organisiert wird, leicht dazu kommen kann, dass man vor sich hin “wurschtelt”, ohne die Arbeit und das Ergebnis kritisch zu hinterfragen.

Die Bildung einer individuellen Note spielt ebenfalls eine erhebliche Rolle, weil Gruppenarbeit den Unterricht dominiert und es nicht einfach ist, im Laufe einer Projektphase von jedem Schüler einen guten individuellen Eindruck zu bekommen.

@fontanefan
Das, was Du als Pro-Argument anführst, ist der angestrebte Zweck: eine Lernreflexion am Ende eine überschaubaren Zeiteinheit von einer Woche. Das Problem bisher war aber oft, dass ich als Lehrer aus Zeitgründen nicht jede Woche alle Portfolios einsammeln und lesen kann (das wären bei mir ca. 60 Stück pro Woche). Also gab es entweder unangekündigtes Einsammeln oder eben Abgeben an einem bestimmten Termin – und die zweite Variante führt dann wohl zu den von vinitor oben beschriebenen Entwicklungen.

Andererseits experimentieren wir auch mit alternativen Formen. Dieses Blog von vinitor wurde angelegt als Ersatz für das Portfolio/Lerntagebuch – aber diese Form wollen nicht alle Schüler wahrnehmen. Außerdem ist sie ebenfalls mit nicht unerheblichem Zusatzaufwand für den begleitenden Lehrer verbunden (außerdem muss man als Lehrer auch eine gewisse Netz-Affinität mitbringen, um die Schülerblogs jede Woche zu lesen und zu kommentieren).

Wie dem auch sei: wir sind offen für neue Ideen und Verbesserungsvorschläge – hier in den Kommentaren sind schon einige interessante Punkte aufgetaucht. Vielleicht ergeben sich ja noch weitere.

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